UNI3b
Institut für Sozialwissenschaften, Berlin-MitteNF: 3.974 qm, Baudenkmal
Nutzungen: Hörsaal, Seminarräume, Fachbereichsbibliothek, Büros, Verwaltung, Studentische Arbeitsräume
Das Gebäude ist ein ehemaliges Geschäftsgebäude, erbaut 1905 von Baumeister Otto Richter, eingetragen in die Denkmalliste Berlin. Ziel der Baumaßnahme ist es, den gesamten Gebäudekomplex für die Belange einer modernen Universität zu ertüchtigen. Die denkmalwerte Bausubstanz, insbesondere Fassade und Haupttreppenhaus wurde sorgfältig saniert, die Innenaufteilung aller Geschosse vollständig den neuen Nutzungsanforderungen entsprechend erneuert. Offenheit und Transparenz bestimmen das Bild des neuen Hochschulgebäudes. |
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Im Rahmen der organisatorischen und räumlichen Umstrukturierung der Humboldt-Universität wird ab 1993 das gesamte Institut für Sozialwissenschaften einschließlich der Institutsbibliothek in diesem Gebäude konzentriert.
In 10-jähriger Bauzeit, während permanent laufender Nutzung, wird das Gebäude innen vollkommen umstrukturiert; es entstehen großzügige Foyer- und Flurbereiche, Bibliotheks-, Seminar- und Arbeitsräume.
Wichtige denkmalpflegerische Aspekte bei der Sanierung sind die Wiederherstellung der erdgeschossigen Scheinarkaden und der Originaldachform sowie die Restaurierung des Treppenhausesals die maßgeblich gestaltgebenden bauzeitlichen Elemente des Gebäudes.
Die Umgestaltung ist vom Leitbild getragen, das Neue aus dem Alten zu entwickeln und dabei den spezifischen Charakter des Gebäudes herauszuarbeiten.
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| Der Eingangsbereich im EG ist großzügig gestaltet; die dabei entstehenden Verkehrsflächen können sinnvoll mit den Warteflächen vor den Seminarräumen und den Schrank- und Garderobeflächen der Bibliothek gekoppelt werden. 3 neue Wandscheiben durchteilen den Großraum des Erdgeschosses und bilden das Foyer. Sie sind mit leuchtenden, bedruckten Glasscheiben beplankt, die Raritäten der Humboldt-Bibliothek seriell abbilden. Verschiedenfarbige Hintergründe geben den Glasflächen unterschiedliche Tiefen und ziehen den Blick des Betrachters ins Gebäudeinnere. Der Lichthof ist in die in die Foyerfläche durch Austausch erdgeschossiger Fenster gegen Glastürelemente einbezogen. Die beiden großen Höfe sind durch Türen zugänglich und können als weitere Warteflächen (bei entsprechender Witterung) und als zweiter Eingangsbereich mitgenutzt werden. |
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Die Fachbereichsbibliothek der Sozialwissenschaften hat eine (Freihand-) Größe von ca. 70.000 Bänden sowie ein angestrebtes Leseplatzangebot von 70 Plätzen. Diesem entspricht eine Flächengröße von ca. 1.000 qm.
Die Bibliothek ist im hinteren Teil des EGs sowie in der nördlichen Hälfte des 1.OGs plaziert; die vorhandenen Raumhöhen (ca. 4,50 m) ermöglichten den Einbau einer Galerie im EG, die die dritte Station an der vertikalen Wegachse (interne Bibliothekstreppe) bildet und außerdem zur Vermehrung der Regalaufstellfläche dient. Diese Galerie ist an die hinteren Treppenhäuser direkt angeschlossen.
Im Untergeschoß befindet sich das Freihandmagazin mit weiteren Nutzerarbeitsbereichen. Zwei große Oberlichter stellen die Blickverbindung zum Außenraum her.
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Insgesamt wird den Besuchern ein differenziertes Angebot geboten: Anleseplätze, DV-Informationsplätze, Stehleseplätze, Großraumplätze, Gruppenarbeitsräume und Carrels. Gestalterisch ist die Bibliothek durch die Transparenz zum Foyer und zum Außenraum gezeichnet; der umgebende Stadtraum mit den hier geballten Verkehrsmitteln (Straßenbahn, S-Bahn, Fernbahn, Individualverkehr) ist bis in die gesamte Tiefe der Bibliothek sichtbar. Auf der Galerieebene stehend blickt man durch Foyer und Seminarraum hindurch auf die Passanten entlang der Fassade. Dem Maßstab der Großräume angemessen, wird die Bibliothek von neuen, großen Elementen akzentuiert: der
V-förmigen Stahltreppe und der Galerie, der ovalen Verbuchungstheke und den gefalteten Informationsplätzen im Erdgeschoß sowie dem Carrelblock im OG. Die Möbel (Theke, Infoplätze, Carrels) sind Sonderanfertigungen nach Entwurf der Architekten. |
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Im EG liegen 3 Seminarräume der Sozialwissenschaften; davon sind die beiden größeren durch eine schalldämpfende Schiebewand zusammenlegbar (für größere Veranstaltungen auf Institutsebene).
Ihnen zugeordnet ist eine zum Foyer gehörige Wartefläche. Über die großen, zweiseitigen Scheinarkadenfenster liegt der große Seminarraum bildlich inmitten der Stadt. Hier befinden sich Lehrende und Lernende quasi im öffentlichen Straßenraum.
Wegen des Schallschutzes sind die Räume mit einer Lüftungsanlage ausgestattet. Die innen vorgeblendete zweite Fassade enthält die Verdunkelungsanlage, die Entrauchung und die Beheizungsebene.
Diese innere Schicht folgt ihrer eigenen Geometrie und wird mit der historischen Außenfassade verschränkt.
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Das 2. und 3. OG wurden komplett bis zur tragenden Struktur entkernt; im 2. OG wurden weitere Seminarräume eingebaut und dazu eine gemeinsame Foyerfläche geschaffen. Separiert davon liegen die Institutsräume an den ruhigeren Fluren.
Das Dachgeschoß wurde in der ursprünglichen Kubatur wiederhergestellt (Dachhöhe über Traufe: ca. 8,30 m). Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Mitropa-Haus bildet das Gebäude dadurch aus nördlicher Richtung gesehen wieder eine Art Tor zur Universitätsstraße. Der Mittelflügel des Dachgeschosses erhielt ein gänzlich neues Dachtragwerk aus V-förmigen Stahlstützen; die neuen Räume werden „frei“ in den Dachraum hineingestellt. In den Flur- und Foyerbereichen ist die gesamte Dachhöhe erlebbar, hoch aufgesetzte Lichtkuben belichten und akzentuieren die Flure. |
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Die neuen Institutsräume im DG bieten mit ihren großräumigen Gauben und den großen Raumhöhen imposante Ausblicke in die Stadtlandschaft.
Die Treppenhäuser wurden wiederhergestellt, das Haupttreppenhaus mit bauzeitlicher Ausmalung restauriert. Der vorhandene Aufzug wurde aus dem Haupttreppenhaus entfernt; dies bekommt dadurch mehr Raum und Licht.
Die Strassenfassaden des Gebäudes wurden restauriert. Die Fenster, außer im EG , blieben erhalten. Der ursprünglich vorhandene Traufschmuck mit Blechfries, Blechfähnchen und Fahnenstangen sowie Blechfußrosetten ist gänzlich verschwunden und nur aus alten Fotos bekannt. Beispielhaft wurden kurze Traufabschnitte mit abstrahierteren Ornamenten ausgestattet.
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Eine volle Rekonstruktion des unzweifelhaft gestaltgebenden Details wurde nicht angestrebt. Die vermauerten Scheinarkaden wurden geöffnet und mit neuen Fensterelementen versehen. Die mit seitlichen, asymmetrisch angeordneten Blechfeldern versehenen Elemente tragen stählerne, profilierte Kämpfer und tragen die Aussöhnung von alt und neu in sich. Sie greifen nicht in das Repertoire von Schaufenster zurück, sondern bezeugen die Anforderungen der neuen Nutzung. Die Blechfelder folgen der Geometrie der inneren Fassadenschicht. Sie zeigen die Verschränkung der inneren und äußeren Fassadenebene miteinander.
Im vorderen, offenen Hof wurde ein Lichtkubus zur Belichtung der darunterliegenden Leseplätze (Freihandmagazin) errichtet. Er dient gleichzeitig als „Leuchtzeichen“ im Hof.
Referenzliste / Gebäudedaten |
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