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ORO
Orangerie Oranienburg
Nutzung für kulturelle Veranstaltungen

NF Bestand: 302 qm, Baudenkmal
NF nach Ergänzung: 529 qm

Die im Schloßpark Oranienburg gelegene spätbarocke Orangerie dient seit ihrer Sanierung und Erweiterung als Kultur- und Veranstaltungszentrum der Stadt Oranienburg. Ziel der Baumaßnahme war, mit den knappen Mitteln der Stadt und der öffentlichen Förderung ein seit langem ruinöses Denkmal an prominenter Stelle zu sanieren und gleichzeitig der Bürgerschaft einen dringend benötigten Raum für unterschiedlichste kulturelle und kommunale Veranstaltungen zu bieten: Theater- und Konzertveranstaltungen, Lesungen, Tagungen, Bälle, Ausstellungen, Hochzeitsfeste etc..
Der Bau der Orangerie wurde 1754 durch den Landbaumeister Georg Christoph Berger begonnen und mit mehreren Planungs- und Bauänderungen bis 1757 weitergeführt, ohne zur Vollendung zu kommen, da der Bauherr, Prinz August Wilhelm 1758 verstarb. Nach Jahren provisorischer Nutzung erfolgte ein Umbau / eine Fertigstellung ca.1789, noch immer mit dem Ziel der Nutzung als Orangerie. Nach extensiver Nutzung und langem Leerstand erfolgte im 19.Jahrhundert ein Umbau zur Turnhalle eines Lehrerseminars; aus diesem Umbau stammt die Trennwand im vorher ungeteilten Saal. Weiterhin gering genutzt, entging die Orangerie im Anfang des 20. Jahrhunderts knapp einem Umbau zum 4-Familienhaus sowie einer Nutzung als Zwangsarbeiterunterkunft, wurde im 2.Weltkrieg notdürftig zum Pferdelazarett umgebaut, um nach 1945 als Notkirche und anschließend als Museumsmagazin zu dienen.
Anfang der 90er Jahre wurde das Dach, nach einem zwischenzeitlichen Brandschaden, neu gedeckt; anschließend begannen ortsansässige Kulturinstitutionen sporadisch die Orangerie als Veranstaltungsort zu nutzen und sie damit aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken.

Für eine dauerhafte Nutzung fehlten dem Saalbau allerdings jegliche Serviceflächen: WC's, Küche, Stuhllager, Büro und Künstlergarderoben, sodaß eine Erweiterung erforderlich war. Die im Sommer 2000 auf der Basis eines VOF-Verfahrens ausgewählten Architekten avp entwickelten 4 Varianten zur Erweiterung des Baus innerhalb des von Sicht- und Symmetrieachsen durchzogenen Schloßparks.
Die realisierte Variante der Erweiterung an der dem Park abgewandten Südseite vermeidet eine Störung der Gartenachsen und profitiert im neu geschaffenen Pausenfoyer, dem "Wintergarten" von der Südorientierung. Der in dunklem Grün mit Faserzementplatten außen und innen monolithähnlich bekleidete Servicebau verdankt seine Faltung nicht allein dem Gestaltungswunsch der Architekten sondern "knautscht" dabei nach außen die geknickt verlaufenden und engen Grundstücksgrenze optimal aus. Die Zwischenräume zwischen Altbau und Servicebau sowie die mittlere Bresche erzeugen Sichtachsen und - verbindungen nach außen und damit einen Charakter eines Zwischenraums, eines zwischen Wintergarten und Innenhof changierenden Raumes. Der Servicebau läßt mit seiner niedrigen Höhe von außen den Blick auf die Orangerie frei und von innen den Blick in den Südhimmel.
In der Gesamthöhe von 4,20 m wurde sehr kompakt gearbeitet und die für den Saal erforderliche Luftkonditionierungsanlage oberhalb der WC's im Dach versenkt. Nach innen wird durch die Faltung des Servicebaus eine Verräumlichung des Pausenfoyers gewonnen. Dieser, mit Sonnenschutzglas gedeckte Raum wird durch den vertieften, gestuften Boden zusätzlich geweitet und bietet dem Gast Positionen des Überblicks, des Mittendrinseins, des leisen Seitenauftritts und des effektvollen Mittelauftritts zum" Sehen und Gesehen-Werden". Der "Wintergarten", ohne eigene Wände oder Decke, bezieht seine Raumstimmung wesentlich aus diesem, aus Kalkstein geschnittenem Bodenrelief; der gleiche Kalkstein findet sich in den angrenzenden, kräftigen Fundamenten des Altbaus, ist mithin dem Altbau verwandt.
Je nach Veranstaltung ermöglicht der Wintergarten wahlweise die Seiten- oder die klassische Frontalerschließung des Saales; hier können Ausstellungen gezeigt oder während der Veranstaltungen Buffets vorbereitet werden. Das Zentrum der Nutzungsvielfalt des Bauensembles liegt hier.

Neben den schlechten Erhaltungszustand des Gebäudes trat planungserschwerend der Umstand auf, daß die Orangerie nie eine "bauzeitliche Fassung" hatte. Vorbereitend zu den Sanierungsarbeiten ergaben die bauhistorischen Voruntersuchungen, daß mehrere widersprüchliche Fassadenentwürfe bestanden und diese sogar in Teilen ausgeführt und wieder abgetragen wurden. In der Nordfassade wurden Fensteröffnungen hergestellt und sofort anschließend vermauert. Am rätselhaftesten blieb die sehr solide gebaute, breit geschwungene Eichentreppe im Eckpavillon, die ins Nichts führt.
Die denkmalpflegerischen Entscheidungen blieben in dieser Situation auf Sicherheit bedacht: Fassadenneuputz mit Bremer Muschelkalk mit freskalem Kalkkaseinanstrich in hellem Grün nach Erstbefund sowie Öffnung aller Fenstervermauerungen und Einbau von Einfachfenstern in Orangerieanmutung. Der denkmalpflegerisch bedingte Wunsch, auf Regenentwässerung zu verzichten, ergibt in Kombination mit dem verwendeten Kalkputz und der an Gesimsen und Vorsprüngen reichen Architektur eine Unterhaltungsproblematik, die durch den im Sockel verwandten Sanierputz nur gemildert, aber nicht vollständig abgewandt werden konnte.
Im Inneren ergaben sich aufgrund fehlender Vorbefunde mehr Möglichkeiten zu einer Neugestaltung. Im Saal ist eine neue Trennwand eingezogen, die in sich die Lüftungsschächte der Saalbelüftung aufnimmt und die Regiekabine incl. der Veranstaltungstechnik trägt.
Im gleichen Grün wie der Servicebau gefaßt, prägt er gemeinsam mit der abgehängten Akustikdecke die Raumstimmung.In der die Faltung motivisch wiederholenden Akustikdecke sind Beleuchtung, Beschallung, Bühnenzüge und Vorhang integriert. Zur Aufnahme der neuen Lasten mußte das über der Decke liegende Hängedachwerk punktuell verstärkt werden.Die Fensteröffnungen wurden mit einer inneren Schicht ausgestattet, um die Erfordernisse des Wärmeschutzes und insbesondere des Schallschutzes (nach außen wie nach innen) erfüllen zu können.
Integriert in die innere Schicht sind Verschattungs- und Verdunkelungseinrichtungen. Durch aus der Deckenfuge herablaßbare Rollos ist die Orangerie voll verdunkelbar.
Der Fußboden des Altbaus ist mit 36 mm Schloßdielen ausgelegt; im Randfries ist ein Konvektorband zur Raumheizung und Stromauslässe integriert. Die 7 Kronleuchter im Saal und Foyer sind speziell für die Orangerie konzeptioniert; sie sind mit indirektem und direktem Licht in verschiedenen Lichtfarben bestückt und können damit sehr eindrucksvoll die Raumstimmung von sachlich nüchtern bis opulent-feierlich beeinflussen.

Es ist gelungen! Der neue Veranstaltungsort Oranienburgs hat sich seit der Eröffnung im November 2003 schnellstens in den Köpfen und Herzen der Oranienburger verankert; ein ambitioniertes Veranstaltungsprogramm füllt den Saal. Zur Freude der Architekten zieht es die Besucher stets besonders in den Wintergarten, wo sich am Abend im Glas des Daches der Raum festlich widerspiegelt.

Referenzliste / Gebäudedaten